Arctic Circle Trail – Etappe 07

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Etappe 07: Vom Flussufer des Ole’s Lakseelv zum Westufer des Sees bei Kilometer 105.

 

Diagramm mit RouteConverter erstellt, http://www.routeconverter.de/Von unserem Zeltplatz in Richtung Osten gesehen waren die Berge flach. Die Sonne erhellte bereits früh am Morgen das Tal. Geweckt wurden wir von dem Geplätscher des Flusses. Die im Flussbett verteilten winzigen Stromschnellen machten in Summe ordentlich Lärm. Wir beschlossen einfach aufzustehen.

Der erste Blick aus dem Zelt versetzte uns wieder in Begeisterung. Wieder ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Die Luft ist noch kühl, doch das wird sich in den nächsten Stunden bereits ändern.

Handtuchtrockner aufgebaut.

Handtuchtrockner aufgebaut.

Morgens wie abends wehte der Wind gut spürbar durch das Land. Mit der Zeit werden wir immer erfinderischer, wozu sich unsere Utensilien weiter einsetzen lassen. Unsere Wanderstücke beispielsweise, nutzen wir, um unsere Handtücher im Wind zu trocknen. Keine fünfzehn Minuten dauerte der Trocknungsvorgang, so dass wir die Handtücher gleich wieder im Rucksack ordentlich verstauen konnten.

Zeltplatz am Ole's Laseelv.

Zeltplatz am Ole’s Laseelv.

Unser Zelt steht mitten im Tal irgendwo im Nirgendwo. Ringsherum breiten sich die kniehohen Sträucher aus. Dieses Grün scheint einfach nicht enden zu wollen. Ich stehe einfach nur da und genieße diese atemberaubende Landschaft. Alles ist so weitläufig und nirgends sehe ich Anzeichen einer Zivilisation. Hier bin ich einfach allein. Wahnsinn. Ich atme tief ein. Die Luft ist frei von Abgasen und Kleinstpartikel, wie sie jede Großstadt mit sich führt.

Unser Brenner leistet auch heute wieder tadellos seinen Dienst. Das Wasser kocht. Ich gieße das kochende Wasser auf den Instantkaffee in unsere Tassen. Der Kaffee dampft und verbreitet seinen Geruch. Ich setzte ich mich meiner Tasse am Rand des Flussufers und beobachte die Wellen auf dem Wasser.

Wollgras am Fluss Ole's Lakseelv.

Wollgras am Fluss Ole’s Lakseelv.

Nach dem Frühstück beginnt nun wieder die für uns gewordene Routine: Zelt zusammenbauen, Geschirr abwaschen, Klamotten verstauen, Rucksack schultern – ein letzter Blick und weiter geht die Reise.

Die ersten Kilometer am heutigen Tag führten uns in Richtung Westen auf dem ausgetrockneten Flussbett entlang. Wir kamen sehr schnell voran. Der Sand im Flussbett war bretthart. Wenige Steine lagen uns im Weg. Wir fühlten uns wie auf einer Autobahn für Wanderer.

Die Sonne schien. Zur Mittagszeit wehte kein Wind. Es war auch heute wieder unerträglich warm. Unseren ersten Stopp machten wir zwischen hohen Steinen, die uns vor der glühenden Sonne Schatten spendeten. Wenn ich mich nicht vor der Sonne schützen müsste, würde ich am liebsten ab jetzt nur noch im T-Shirt weitergehen.

Geröll

Geröll

Langsam aber stetig steigen wir aus dem Tal. Die Sonne brennt uns von hinten auf den Nacken. Ich freue mich schon auf die Ankunft an der Hütte Eqalugaarniarfik. Dort werden wir Mittagspause machen und etwas Warmes essen. Doch vorerst heißt es für uns, einen langen Fußmarsch mit vielen Höhenmetern zurück zu legen.

Hütte Eqalugaarniarfik

Hütte Eqalugaarniarfik

In einem Reiseführer befolgten wir den Tipp, vor Ankunft auf der Hütte Eqalugaarniafik die Trinkwasserreserven vollständig aufzufüllen. Zur Sommerzeit versiegen die Flüssen in der unmittelbaren Umgebung. Es kann also vorkommen, dass hier kein Wasser zu finden ist.

Die Hütte selbst ist innen sauber. Es gibt Schlafmöglichkeiten für vier Personen. Die Liegeflächen sind luxuriös mit Schaumstoffmatratzen ausgestattet. Auf dem Tisch liegt das Hüttenbuch. Wir blättern im Hüttenbuch und finden diverse Einträge von vorhergehenden Wanderern, die auf der Suche nach Wasser in der Umgebung waren.  Einige von ihnen hatten Glück und beschrieben ihren Fund im Hüttenbuch, so dass Nachfolger ihr Glück an der gleichen Stelle probieren konnten.

Unsere Wasserreserven sind hier ausreichend. Wir setzten uns vor die Hütte und schauen auf den Fjord Maligiaq. Zeit für eine Mittagspause.

Ausblick von der Hütte Eqalugaarniarfik auf dem Fjord Maligiaq.

Ausblick von der Hütte Eqalugaarniarfik auf dem Fjord Maligiaq.

Ich genieße mein Mittag mit grandiosem Weitblick. Es gibt Huhn in Curryrahm aus der Tüte. Durch den schnellen Marsch im ausgetrockneten Flussbett benötigten wir weniger Zeit als geplant. Wir beschließen die gewonnene Zeit für eine längere Mittagspause zu nutzen. Ich mache mir es an einem Stein bequem, ziehe mir meinen Hut ins Gesicht und schlafe wenige Minuten darauf ein.

Geweih eines Rentiers. Die Reste einer Jagd.

Geweih eines Rentiers. Die Reste einer Jagd.

Das Geweih des Rentiers sagt uns, dass hier nicht nur die Wanderer, sondern auch die Jäger die Hütte nutzen. Die Geweihe von Rentieren sahen wir bereits öfters. Nur dieses Mal gibt es das Geweih mit Schädel für uns sehen.

Die Mittagspause endet. Wir schultern unseren Rucksack. Wir können mit unserem Blick den bevorstehenden Wanderweg bis in die Berge verfolgen. Der Anstieg sieht echt übel aus.

Ausgetrockneter Fluss - gut für eine trockene Überquerung.

Ausgetrockneter Fluss – gut für eine trockene Überquerung.

Auf dem Weg in die Berge queren wir einen ausgetrockneten Fluss. Schade, dass er kein Wasser führt. Gut für uns, weil die Füße trocken bleiben.

Auf dem Iluliumanersuup Portornga.

Auf dem Iluliumanersuup Portornga.

Nach einer Stunde nahm dieser steile Aufstieg sein Ende. Wir machen Rast. Auf dem Berg weht ein kühler aber erfrischender Wind. Mein T-Shirt ist durch Aufstieg schweißgetränkt. Wieder bin ich froh, die T-Shirts aus Merino-Wolle zu tragen. Sie sind absolut geruchsneutral. Diese Investition hat sich gelohnt. Nie wieder werde ich auf Wandertouren Baumwoll-T-Shirts tragen.

Ich schütze mich vor dem Wind und ziehe mir meine Softshell-Jacke an.

Der Weg wird uns noch weiter über das Plateau des Berges führen. Ich lasse den Blick schweifen und finde keine Wolke. Ein toller Tag mitten im Nirgendwo.

Der Arctic Circle Trail ist gut zu sehen - so weit das Auge reicht.

Der Arctic Circle Trail ist gut zu sehen – so weit das Auge reicht.

Unsere Pause endet nach fünfzehn Minuten. Vor uns liegen weitere fünfundvierzig Minuten mit dem Rucksack auf dem Rücken.

Links und rechts des Wanderweges blicken wir in ein Tal hinab. Überall gibt es Seen mit bester Trinkwasserqualität. Verdursten kann man hier nicht. Der Weg ist schmal, lässt sich jedoch gut erkennen. Das GPS oder die Karte benötigen wir hier nicht.

Blick vom Iluliumanersuup Portornga in Richtung Norden.

Blick vom Iluliumanersuup Portornga in Richtung Norden.

Vom Weg in Richtung Norden entdecke ich die kleinen Seen mit ihren sandigen Stränden. Es ist leider zu früh am Tag, sonst würde ich gern den Weg verlassen und für heute das Nachtlager an einen dieser Strände aufschlagen wollen. Von hier oben sieht die Landschaft dort unten wie eine riesige Badeanstalt aus. Traumhaft schön.

Kleine Seen mit schönen Sandstränden.

Kleine Seen mit schönen Sandstränden.

Wir folgen dem Pfad, bis wir schlussendlich unser Nachtlager für heute erreichen. Wieder durften wir eine tolle Strecke mit besten Wanderwetter erleben.

Link zur Etappe
  • Etappe 01 – Es geht los! Start in Kangerlussuaq
  • Etappe 02 – Ostufer des Quarlissuit
  • Etappe 03 – Ostufer des Quarlissuit – Landzunge am Amitsorsuaq
  • Etappe 04 – Landzunge am Amitsorsuaq – Kanucenter
  • Etappe 05 – Kanucenter – Halbinsel am Kangerluatsiarsuaq
  • Etappe 06 – Halbinsel am Kangerluatsiarsuaq – Flussufer des Ole’s Lakseelv
  • Etappe 07 – Flussufer des Ole’s Lakseelv – Westufer des See’s bei km: 150
  • Etappe 08 – Westufer des See’s bei km: 150 – Hütte Innajuattoq II
  • Etappe 09 – Hütte Innajuattoq II – Hütte Nerumaq
  • Etappe 10 – Hütte Nerumaq – Hütte am Fjörd Kangerluarsuk Tulleq
  • Etappe 11 – Hütte am Fjörd Kangerluarsuk Tulleq – Sisimiut

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