Der Harz im verborgenden Spektrum

Mit Hilfe einer umgebauten Digitalkamera versuche ich die Landschaft vom Harz mit einem anderen Licht zu sehen, durch Infrarot. 

Es ist viele Jahre her, als ich in einem bekannten Foto-Magazin die ersten Infrarotaufnahmen sah. Damals benötigten die Fotografen einen analogen Infrarotfilm. Doch die Ergebnisse waren für mich bis heute absolut beeindruckend. Ich wollte so etwas auch gern fotografieren, nur nicht deswegen mehr in die analoge Fotografie eintauchen. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Eine Landschaft aus Sicht der Infrarotfotografie.

Vor ungefähr einem Jahr ließ ich mir meine alte CANON G1X für infrarotes Licht umbauen. Dazu wird der Sperrfilter in der Kamera entfernt und ein Infrarotfilter eingesetzt. Die Kamera ist für „normale“ Fotos nach nicht mehr einsetzbar. Dies zur Information, falls jemand mit dem Gedanken spielt, seine eigene Kamera umzubauen. 

Eingesetzt hatte ich zuletzt die Kamera im Harz. Einer unserer Touren führte uns dort am Kolonnenweg der ehemaligen Grenze zwischen der BRD und DDR entlang. Hier gibt es auch das Freilandmuseum (Grenzmuseum Sorge e.V.). Der Eingang zum Museum ist umgeben von einem Stacheldrahtzaun, der zu Grenzzeiten als erste Sicherungsmaßnahme gegen unerlaubte Grenzübertritte eingesetzt wurde.  

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Einer der vielen Varianten vom Grenzzaun.

Nach dem Freilandmuseum verläuft der Kolonnenweg fast geradlinig durch die Landschaft vom Harz. Die Kolonnenwegplatten bestehen aus Beton mit einer sehr großen Lochrasterung. Damit konnten die Grenzsoldaten an der innerdeutschen Grenzen ihre Fahrzeuge besser manövrieren, aber zum Begehen sind sie sehr unpraktisch. Die Löcher in den Betonplatten sind zu groß. Ständig mussten wir hinschauen, wohin wir treten. Die Gefahr, mit dem Schuh hängen zu bleiben oder sogar umzuknicken, war einfach zu hoch. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Der Kolonnenweg der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Bei Beneckenstein im Harz gibt es eine abrissreife Sprungschanze für Skifahrer. Momentan wird die Schanze für einen Funkmastbetreiber verwendet. Vor einem Jahr noch, war sie durch den dichten Waldbewuchs kaum zu erkennen. Das vor sich hinrostende Stahlwerk scheint heute in der Gegend ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Die Ski-Sprungschanze von Beneckenstein.

Ich lese in diversen Flyern, die in den regionalen Hotels, Zeitungsläden, Restaurants ausliegen, über die grüne Lunge Deutschlands. Nur leider wendet sich das Blatt. Viele Regionen sind abgeholzt. Wo früher es einst riesige Waldflächen zu sehen gab, stehen nur noch Baumstümpfe an dessen Stelle. Grund dieser flächendeckenden Abholzung sei wohl der Borkenkäfer. Für mich als Laie ist das fehlerhafte Forstwirtschaft.  So läuft der Wanderer nicht mehr durch Wälder, sondern kann unzählige Baumringe nach Belieben am Wegesrand zählen. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Es war die grüne Lunge Deutschlands.

Viel Erfahrung in der Infrarotfotografie habe ich noch nicht. Beispielsweise kann ich noch nicht jede Oberfläche erkennen, die eine schöne Wirkung in der Welt des Infrarotlichts hat. Mir ist jedoch aufgefallen, dass Weiden im Infrarotlicht fast weiß aussehen. So können sie vor einem blauen Himmel oder Gebäuden einen sehr guten Kontrast erwirken. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Die Weide als bestes Motiv?

Wenn das Licht seitlich über ein Tal fällt, gefällt mir die Infrarotfotografie sehr gut. Besonders einzeln stehende Bäume fallen wirklich gut in der Umgebung auf. Das Tal, wo inmitten hindurch eine Straße führt und seitlich von rechts das Licht zur Mittagszeit strahlt, fand ich für eine Infrarot-Aufnahme besonders passend. 

Wandern im Harz, Infrarotfotografie
Perfektes Licht für die Infrarotfotografie.

Ein Sprichwort sagt: „Der Fotograf hat, zwischen elf bis drei, frei.“

In der Infrarot-Fotografie ist es genau die Zeit, um Fotos zu machen. Die Infrarotfotografie benötigt viel Sonnenlicht. Also wäre die Infrarot-Kamera die perfekte Zweit-Kamera?

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