Longboard selber bauen! (01) – Die Idee

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Es ist Samstagabend. Im Fernseher läuft ein Action-Film. Peer liegt bequem auf der Couch davor. Frau und Kind sind diesen Abend nicht zu Hause.

Aus den Boxen seiner Anlage dröhnen Motorengeräusche. Peer sieht gerade dem Film zu, wie ein Sportwagen sich eine wilde Verfolgungsjagt mit einem aufgemotzten roten Ford GT liefert.

Jäger und Gejagter heizen eine kurvenreichen Landstraße an einer Steilküste entlang. Der Fahrer des Fort GTs führt den Sportwagen vor. So scheint es zumindest. Beide Wagen rasen auf eine Spitzkurve zu. Vor ihnen die Steilküste. Hinter der Kante reicht der Abgrund mehrere ´zig Meter hinunter zum Ufer, wo sich dort unten riesige Wellen des Meeres brechen.

Aus den Boxen von Peer’s Anlage dröhnt der Sound des Ford GTs. Der Fahrer schaltet einen Gang runter und beschleunigt den GT mit quietschen Reifen. Der Fahrer des Sportfahren versucht an ihm dran zu bleiben.

Nur noch wenige Meter bis zur Spitzkurve. Der Showdown des Filmes ist dem Höhepunkt nah. Der Kamerawechsel ist nun schnell, wie das Mündungsfeuer eines Maschinengewehrs. Der Ford GT bremst, reist das Lenkrad rum, bremst kurz und gibt Gas.

Das Heck des Ford GTs bricht aus und driftet routiniert in die Spitzkurve hinein. In Slowmotion zeigt der Film, wie entspannt ein Mann mit weißen Bart, Mitte 50, den Ford GT steuert. Peer sitzt gebannt vor seinem Fernseher. Erst jetzt bemerkt er, dass alle seine Muskeln angespannt sind. Vom lockeren Sitzen hier keine Spur mehr zu erkennen.

Kamerawechsel. Aus der Spitzkurve kommend, katapultiert der weißbärtige Mann sein Geschoss weiter die Straße entlang.

Für den Fahrer des Sportwagens sah die Situation leider hoffnungslos aus. Weder für den Sportwagen noch für den Fahrer wird jede Hilfe rechtzeitig kommen. Die Kamera zeigt eine Totale in Richtung Abgrund, gerade zum richtigen Zeitpunkt, als sich der Feuerball zu seinem größten Ausmaß ausdehnt.

Ende.

Peer schaltet den Fernseher aus. Er schlendert zum Fenster. Auf der Straße entdeckt er sein Auto. Vor seinem geistigen Auge stellt sich Peer vor, wie er mit seinem Auto durch die Kurven driftet, perfekt und routiniert, wie der alte Mann im Ford GT. Er schüttelt den Kopf. In Deutschland auf öffentlichen Straßen nicht machbar. Das Driften geht ihm nicht aus seinem Kopf. Er schlendert in die Küche zum Kaffeeautomat. Per Tastendruck bestellt er sich einen Kaffee.

Während die Kaffeemaschine ihren Dienst tut, blickt Peer auf einen Bilderrahmen an der Wand. Peer’s Sohn ist auf dem Foto zu sehen, wie er auf seinem ersten Longboard steht. Er innert sich: „Das waren noch Zeiten …“, sagte Peer. In dem Moment war es so, als hätte ihn der Schlag getroffen, berichtete Peer. Das ist es! Driften mit dem Longboard!

Peer erzählte uns seine Gesichte so lebendig! Wir hatten das Gefühl, als wären wir an dem Abend dabei gewesen. Wir sitzen gespannt am Esstisch in seinem Wohnzimmer. Erst jetzt bemerke ich, dass ich mein Glas zum bersten nah festhalte.

Zurück zum Abend. Peer geht aus der Küche mit langen Schritten in sein Arbeitszimmer. Im Schubfach unter seinem Tisch findet er an gewohnter Stelle ein Blatt Papier. Peer greift sich einen Stift aus seinem Köcher. Bereits die ersten Linien auf dem Papier ergeben die charakteristische Form seines neuen Longboards. Peer lachte und sagte: „Ich hatte danach eine ziemlich kurze Nacht.“

Wir fragten, ob wir die Skizze sehen dürfen. Peer holt die Skizze aus seinem Arbeitszimmer und legt sie uns auf den Tisch.

 

Longboard_selber_bauen-Die_Idee-001

„Ich möchte ein Longboard zum Freeriden bauen.“, sagt Peer, „Es muss zum driften einen tiefen Schwerpunkt haben. Sonst funktioniert es nicht.“.

Wir fragten Peer, warum er seine Skizzen auf Papier mit Bleistift malt. Schließlich gibt richtig gute Programme und für unterwegs, lassen sich Apps auf dem Handy doch verwenden.

„Nun, Nico, dass ist ziemlich einfach.“, antwortete Peer, „Einen Stift habe ich immer dabei. Egal wo du bist, egal was du machst – mit dem Stift kann ich schnell meine Ideen auf ein Blatt Papier bringen. Und ist kein Papier vorhanden, half auch schon ein Kassenbon aus.“, lachte Peer.

Auf der Skizze sind Löcher jeweils an den beiden Enden des Longboards zu sehen. Peer erklärt uns, dass an dieser Stelle die Montage der Achsen durchgeführt wird. Hier mussten wir lernen, dass es natürlich nicht nur eine Art der Achsmontage gibt.

Peer zeigt auf seine Stichpunkte unterhalb der Zeichnung. Hier hat er bereits zum Teil die dynamische Eigenschaft seines Decks festgelegt. Die Anzahl der verleimten Sperrholzplatten ergibt die Festigkeit des Decks. Die Dicke des Decks ist ein Parameter von drei, wie sich später der Flexgrad des Decks entwickeln wird.

Um den Typ „Freeride“ gerecht zu werden, muss das Deck starr werden. Für uns Unwissende heißt es nichts anderes, dass das Deck einen geringen Flexgrad bekommt. Da Peer sich auf die Anzahl der übereinander verleimten Sperrholzplatten festgelegt hat, variiert Peer mit den anderen beiden Parametern, Länge und Concave des Decks, um den richtigen Flexgrad zu erhalten.

Ich studiere die Skizze weiter. Länge, Form, Concave, die ersten Ideen zur Farbe sind bereits da. Doch mir fällt auf, dass die Skizze keine Überschrift trägt. Jedes Longboard von Peer hat ein Thema oder sogar einen Namen. Hier fehlt es. Wollte er uns den Namen nicht verraten? Ich spreche Peer auf den fehlenden Namen an. „Ja, weißt du, Nico, mir geht dieser rote Ford GT nicht aus meinen Kopf. Ich sehe immer wieder vor meinem geistigen Auge, wie der weißbärtige Mann souverän sein Geschoss durch die Kurve driften ließ.“, sagte Peer,“Ich denke über den Namen << OLD SCHOOL >> nach. Vielleicht als plastischen Text auf der Unterseite des Decks geschrieben.“

Es wird spät. Wir danken Peer für seine Gastfreundschaft und freuen uns auf das nächste Interview. Im nächsten Beitrag wird er uns seinen Arbeitskeller vorstellen und uns zeigen, welche Werkzeuge für die Herstellung eines Longboards notwendig sind.

Wir sind gespannt.

Die Serie mit einem Klick: Longboard

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