Fruchtwechsel in der Mischkultur

Die Fläche eines Kleingartens reicht aus, um einen 4-Personenhaushalt ausreichend mit Obst und Gemüse übers Jahr zu versorgen, ohne auf Laube und Rasen verzichten zu müssen. Die Anforderungen der Gemüsearten an Standort, Boden und Nährstoffbedarf sowie die Wirkung benachbarter Pflanzen, ist dafür Voraussetzung. Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer….. alles Begriffe, die ein Hobbygärtner hört und große Fragezeichen hat. Ich versuche Licht ins Dunkel zu bringen.

Was sind Starkzehrer? Sie entziehen dem Boden vor allem sehr viel Stickstoff. Nur bei guter Versorgung mit natürlichem Dünger z.B. reifen Kompost, Hornspäne oder Gründüngung gedeihen sie prächtig.

Was sind Schwachzehrer? Das sind z. B. einige Kräuter, die unter natürlichen Bedingungen auf mageren, nährstoffarmen, oft auch relativ trockenen Standorten zu finden sind und die über stickstoffbindende Bakterien in ihren Wurzelknöllchen unabhängig vom Nährgehalt des Bodens sich mit dem Stickstoff aus der Luft selbst versorgen

Was sind Mittelzehrer? Sie versorgen sich aus dem Boden und stehen in ihren Ansprüchen zwischen den Stark- und Schwachzehrern.

Die Tabelle zeigt einige Pflanzen mit ihren Nährstoffansprüchen

StarkzehrerMittelzehrerSchwachzehrer
Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl, Gurken, Kartoffeln, Kürbis, Melone, Lauch,
Rosenkohl, Rotkohl,
Sellerie: Knollen-, Stangen- und Bleichsellerie
Tomaten, Weißkohl, Wirsing Zuccini, Zuckermais
Fenchel, Knoblauch, Kohlrabi,
Möhren, Paprika, Radieschen, Rote Bete, Salate, Schwarzwurzeln, Spinat, Zwiebeln
Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Kräuter, Pflücksalate
Tabelle der Nährstoffansprüche

Unter Berücksichtigung der Fruchtfolge wirken wir der Bodenmüdigkeit entgegen. Alle Pflanzen benötigen für ihren Lebensraum eine, für ihre Ansprüche, entsprechende Lebensgrundlage. Das bedeutet, dass nicht jedes Jahr das gleiche Gemüse auf dasselbe Beet gepflanzt wird. Es muss ein Fruchtwechsel vorgenommen werden.

Das Jahr darauf rutschen die Pflanzen einfach ein Beet weiter. Also die Starkzehrer auf das Beet der Gründüngung, Die Mittelzehrer auf das Beet der Starkzehrer und die Schwachzehrer auf das Beet der Mittelzehrer. Das ist eine Gestaltung über vier Jahre. Es geht aber auch über sechs Jahre, darauf komme ich später zurück.

Mit Gründüngung verbessern wir die Bodeneigenschaften und bereiten das Beet für die Starkzehrer für das kommende Jahr vor. Oder, wer nicht soviel Zeit hat, bringt reifen Kompost aus und kann gleich wieder Starkzehrer anbauen. So rotieren die Pflanzen Jahr für Jahr.

Für die Gründüngung eigenen sich folgende Pflanzen:

  • Phacelia
  • Lupine
  • Buchweizen
  • Gelbsenf

Die Gründüngung wird nicht abgeräumt, sie verbleibt als Schnittgut auf dem Beet. Zusätzlich wird noch Laub aufgebracht. Damit aktivieren wir die Bodenlebewesen, die eine Bodengare herstellen. Im Frühjahr ist es wichtig eine sinnvolle Bodenbearbeitung durchzuführen, den Boden aufzulockern, um eine Krümelstruktur entstehen zu lassen.  Dafür lassen wir die Erde durch die Grabegabel rieseln. Wichtig! Auf keinen Fall umgraben. Die Bodenlebewesen (z.B. Käfer, Würmer) verbleiben somit in der entsprechenden Bodenschicht ihres Lebensbereiches.

Die Gestaltung über sechs Jahre ist natürlich optimal zur Gesunderhaltung der Pflanzen. Allein die Einhaltung des Fruchtwechsels vermindert die Gefahr von Bodenerkrankungen wie z.B. der Kohlhernie.

Das Beispiel zeigt die Kultivierung der linken Gartenhälfte in sechs Beete eingeteilt.

Das Beispiel zeigt die Kultivierung der rechten Gartenhälfte ebenfalls in sechs Beete eingeteilt.

Die Zahlen hinter der Gemüsebezeichnung zeigen den Aussaatmonat an. So bleiben die Beete das ganze Jahr über bepflanzt, werden voll ausgenutzt und liegen nicht brach. Mit den Beispielen von Beet #1 und Beet #2 können wir einen Fruchtwechsel über drei, vier oder sechs Jahre entsprechend des Nährstoffgehaltes der Pflanzen vornehmen, der Bepflanzungsspielraum ist größer. Kohl sollte z.B. nur alle sechs Jahre auf das gleiche Beet gepflanzt werden. Auf dem Beet 2 ist eine Reihe für Tagetes und Ringelblume vorgesehen. Sie locken Insekten zur Bestäubung an und „bekämpfen“ Nematoden im Boden.

Mit diesem Wissen können wir mit dem Gärtnern loslegen. Noch ein Gedanke. Es kann auch mal etwas nicht so gut gedeihen. Misserfolge müssen als Lernprozesse betrachtet werden.

Ich wünsche viel Spaß beim Gärtnern.

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